Olaus Magnus und die Erkenntnistheorien der Renaissance

1539 veröffentlichte der katholische schwedische Priester Olaus Magnus eine große Karte Skandinaviens, des Ostseeraums und der Nordsee. Seine Carta Marina wurde in Venedig veröffentlicht, wo Olaus einen wichtigen Teil seiner mehr als 30 Jahre im Exil verbrachte: Er war als Gesandter des Papstes gekommen, strandete aber schließlich und konnte nicht in ein Schweden zurückkehren, das während seiner Abwesenheit lutherisch geworden war. Die Karte war beispiellos in ihrer geografischen Genauigkeit und ihrem Reichtum an Informationen über Geschichte, Politik, Anthropologie und Naturgeschichte. Es zeigte auch ein Bild von Nordeuropa in religiösem Aufruhr: Die reichhaltige Bildsprache der Karte war eine Reihe von Aussagen und Enthüllungen über den Kampf zwischen Lutheranismus und Katholizismus. Der Norden könnte als Analogie zum Streit innerhalb der westlichen Christenheit interpretiert werden.

Olaus wollte die Karte auch mit einem umfangreichen Begleittext versehen. Wie sich herausstellte, wurde dies eine Geschichte der nördlichen Völker, ein riesiges Werk in 22 Büchern, das erst 1555 veröffentlicht wurde. Zu dieser Zeit war die religiöse Teilung Europas eine vollendete Tatsache, und die erkenntnistheoretische Grundlage der Karte war nicht mehr gültig. Folglich musste das Buch die Strukturierungsprinzipien des Wissens des Nordens neu verhandeln. Ziel dieses Forschungsprojekts war es, die dynamische Beziehung zwischen Karte und Text als Beispiel für die sich wandelnden Erkenntnistheorien der Renaissance und als Ereignis in der Geschichte des Faktischen zu untersuchen. Das Material zeigt auch, wie sich die Elemente der Natur zwischen verschiedenen erkenntnistheoretischen und religionspolitischen Settings bewegen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.